Tagesgedanken



Tagesgedanken
Mittwoch, den 04. Februar 2015 um 15:56 Uhr

Zum Kinder kriegen bin ich zu alt, aber zum Bücher schreiben keineswegs. Doch dass

ich mein erstes richtiges Buch erst mit 62 auf den Tisch bringen würde, hätte ich mir

früher, wo ich es ja auch schon das ein oder andere Mal versucht und nicht geschafft

habe, nicht träumen lassen.

Und es ist ja nicht nur mein Buch, sondern auch das von meinem besten Freund Andreas,

denn von ihm enthält es 42 Zeichnungen, wunderbare, "buchstabenfreie" Zwischenspiele

zu den über hundert Gedichten und fonesischen Dichtungen, über tausend Zeilen unterschiedlicher

Art, die ich da zusammengestellt habe. Viele davon sind so geartet, dass der Titel "SCHRECKSCHRAUBEN

SCHREIBEN VERSCHROBEN" irgendwie passt. Als Schreckschraube empfinde ich mich nicht

unbedingt, aber eine gewisse Verschrobenheit ist den "monovoklischen Dichtungen"

und "Maximalreimen" wohl nicht abzusprechen. Oder den "Lautklaubereien" wie zum Beispiel dieser:

 

AMRUM

In Amrum trank ich

sehr viel Rum.

Das war dumm,

denn ich fiel um.

Wisst ihr warum?

Es lag AMRUM.

 

Hier sind einige bibliographische Daten:

Titel: SCHRECKSCHRAUBEN SCHREIBEN VERSCHROBEN.

Untertitel: Fonesische Dichtungen und andere Gereimtheiten

von Peter P. Peters.

Ein Lese- und Bilderbuch mit buchstabenfreien Zwischenspielen

von Andreas Cochlovius.

86 Seiten, softcover, Querformat

Edition Pauer, 2014 Kelkheim

Satz, Layout und Gestaltung (mit großem Dank und Lob)

Stefan Stenzhorn

Mux-Produktion, Bingen.

ISBN-978-3-00-048166-6

Es kostet € 14,80 und ist bestellbar.

 

 
Tagesgedanken
Donnerstag, den 01. August 2013 um 10:53 Uhr

Von unseren schönen Lust-Organen,

Vagina, Penis und Kumpanen,

ist nicht mal mehr was zu erahnen.

 

Dafür jedoch von Brustkorb und Kinn.

Das macht auch ein bißchen Sinn.

Viel mehr ist eben nicht mehr drin.

 

Der Schädel ist da, sein Inhalt nicht.

Vielleicht entstand dort dieses Gedicht.

Man weiß es leider nicht.

 

 
Tagesgedanken
Freitag, den 08. März 2013 um 15:33 Uhr

Einmal bin ich schwach geworden und habe mich bei einer sogenannten Partnervermittlungsbörse

eingeloggt. Kurz darauf hab ich mich, genervt von dieser blödsinnig boomenden Branche, wieder

abgemeldet. Trotzdem kriege ich regelmäßig mails von allen möglichen anderen Anbietern dieser

Art. Offenbar hat meine ursprünglich angeklickte Firma meine mail Adresse, bevor sie mich freundlicherweise

in Ruhe ließ, schnell an alle möglichen anderen verkauft, um nicht ganz leer auszugehen und wenigstens

ein bißchen Kapital aus dem Kontakt mit mir zu schlagen.

"Machen Sie es wie 20000 andere und lernen Sie C-Date ganz unverbindlich kennen", schreibt mir "C-Date".

Und das sind "die Vorteile auf einen Blick":

1. "Anonym kultivierte Menschen kennenlernen" (also offenbar ohne die Kultiviertheit aufzubringen, mich persönlich

und namentlich vorzustellen)

2."Stil, Niveau und Erotik in Symbiose" (wenn das nix ist! Der in der Natur mir bisher nicht bekannte Fall einer Symbiose

im Dreieck - hier haben wir ihn, und die drei Standbeine des Beziehungsglücks schaukeln sich gegenseitig auf ungeahnte

Hochebenen hinauf.

3. "Seriös und diskret" und 4. "Kontaktgarantie"

Garantiert werden diese Unternehmen mich weiterhin kontaktieren. Mich werden sie nicht unglücklich machen, aber 95 %

derer, die sich darauf einlassen, garantiert. Das "Zwischenmenschliche" war ja schon immer ein nicht geheiligter Ort, wo der Mensch

dem Mensch als Ware, als Ding, als Gegenstand von Ausbeutung und Konsum begegnete. Aber im Zeitalter der unbegrenzten

medialen Kommunikation haben sich diese auf das Zwischenmenschliche selbst gestürzt, um es zu strukturieren und auszubeuten,

indem sie den Kunden versprechen, ihr Bedürfnis nach liebevollem Kontakt zu befriedigen. Garantiert und in einer Symbiose von

Adressenhandel, Menschenverachtung und Profitinteresse.

 

 
Tagesgedanken
Mittwoch, den 24. April 2013 um 19:36 Uhr

Er oder sie habe viel um die Ohren, sagt jemand, der sich gestreßt fühlt,

überfordert, überladen mit Ansprüchen, Terminen und to-do-Listen. Daß

jemand viel um die Augen habe, käme uns kaum in den Sinn und würde

auch keinen eingängigen Sinn ergeben. Das Hören ist viel näher an unserer

sozialen Natur als das Sehen. Wenn wir viel um die Ohren haben, hören wir

viele äußere und innere Stimmen, die etwas von uns wollen, und sei es nur

eine Antwort. Was wir sehen, kann dagegen leicht mit Distanz, Reserviertheit

und Gleichgültigkeit gesehen werden. Mit einer Stimme oder einer Musik, die

wir hören, ist dies ungleich schwieriger, sie kann viel direkter und unmittelbarer

unser Gefühl ansprechen.

Von unserer Zeit kann man scherlich sagen, daß die Menschen mehr um die Augen

haben als jemals zuvor. Wir werden in einem unglaublichen Maß von stehenden

und bewegten Bildern überflutet, von Bildern, die oft manipulierte und gezielt

abgefeuerte Botschaften sind. Geräusche und Töne können laut oder leise sein,

und wenn die Lautheit überhand nimmt, sprechen wir von Lärm und haben ein

zunehmendes Bewußtsein davon, daß dieser krank machen kann. Aber von einem

visuellen Lärm haben wir (noch) keinen Begriff, obwohl wir wahrhaftig viel um

die Augen haben.

 

 
Tagesgedanken
Dienstag, den 16. Oktober 2012 um 09:44 Uhr

"Ladendiebstahl lohnt sich nicht", lese ich auf einem großen Schild im Baumarkt.

"Jeder Diebstahl wird zur Anzeige gebracht. Wir verlangen außer Schadensersatz

die Erstattung einer Fangprämie von 50 Euro".

"Fangprämie" ist ein köstliches Wort, bei dem man erst einmal ja an Fischfang oder

das Einfangen von wilden Tieren denkt.  Aber in diesem Fall bekäme der Fänger die Prämie

von seinem Auftraggeber! Im Baumarkt dagegen soll der Gefangene dem Fänger ein Honorar

für sein Gefangenwordensein bezahlen. Das dürfte keine Rechtsgrundlage haben und nicht

durchsetzbar sein, aber sicherlich eine gewisse Abschreckungswirkung haben. Zumal der

den tatsächlichen Umständen entsprechende Text wohl lauten müßte: "Entweder du zahlst

50 Euro, oder wir zeigen dich an!" Aber das zu schreiben, wäre wohl unschön und

politisch nicht korrekt, und es würde an Nötigung grenzen. Also wurde das Wörtchen

Fangprämie ersonnen, um die Wahrheit nicht zu sagen, sondern sie zu bemänteln und

wegzuheucheln, wie so manche Wörter, die wie Tor-Wächter vor die Dinge gestellt werden,

um das Eindringen kritisch fragender Gedanken zu verhindern.

 

 
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