Tagesgedanken



Tagesgedanken
Montag, den 03. Oktober 2011 um 22:40 Uhr

Mir gefällt der Gedanke, ein Erdpatriot zu sein, der eigentlich seinen Heimatplaneten

Mutter Erde eher lieben kann als sein Vaterland. Erdpatriot hört sich in meinen Ohren

besser an als "Kosmopolit" oder "Weltbürger". Aber das Bekenntnis zu etwas, dem man

ja doch nicht entrinnen kann und das man keineswegs frei gewählt hatf, ist nicht sehr

überzeugend. Und ein Mensch, der über seine Liebe zur Erde spricht, muß sich wohl ehrlicherweise

oder "erstmal" auf seine eigene Spezies beziehen, die unserem Planeten so sehr zugesetzt hat.

Wenn er meint, seinen Erdpatriotismus dadurch zeigen zu können,

daß er die Erde möglichst flächendeckend bereist und kennenlernt, muß sich sagen lassen,

daß er unserer Erder eher durch den Verzicht auf diesen Energieverbrauch einen Gefallen tun

könnte. Oder er muß um die Erde segeln, radfahren oder wandern.

 

 
Tagesgedanken
Sonntag, den 25. September 2011 um 16:02 Uhr

Als ich in der S-Bahn dabei war, mein Fahrrad und mich selbst in eine zum Aussteigen

geeignete Position zu bringen, kam ich durch das ungleichmäßige Abbremsen des Zuges

kurz in eine instabile Lage. Mit beiden Händen am Fahrradlenker, machte ich in diesem Moment

eine Reihe von winzigen Schrittchen, vielleicht drei- oder viermal pro Sekunde von einem Fuß

auf den anderen tänzelnd, tippelnd. Nachdem ich mit dieser kleinen Aktion vollen Erfolg gehabt hatte

und mit einer gewissen gefühlten Eleganz ausgestiegen war, dachte ich: hoffentlich hat da keiner zugeschaut,

das sah wahrscheinlich überhaupt nicht elegant aus, sondern taperig und ältlich, fast greisenhaft.

Mit zunehmendem Lebensalter habe ich eine gewisse ganzheitliche Geschicklichkeit und Körperbewußtheit

hinzugewonnen. die mich immer wieder erfreut. Ich verrrenke und verkrampfe und verstolperte mich viel weniger

als in jüngeren Jahren. Ich behalte den Überblick und ein gutes Gefühl für das Tempo und den Spannungsbogen

von körperlichen Bewegungsabläufen und Handhabungen. Behendigkeit ist ein schöner Begriff dafür. Es gibt so etwas

wie eine Alter-Behendigkeit, durch die ältere Menschen den jungen korperlich durch ihre reichhaltige Lebenserfahrung mit

dem eigenen Körper überlegen sein können. Das ist in einer Zeit, wo die geistigen Erfahrungen und die "Weisheit" nicht

mehr sehr hoch im Kurs stehen, ein kleiner Trost des Alters.

 

 
Tagesgedanken
Mittwoch, den 14. September 2011 um 18:45 Uhr

Kaufte heute hundert Gramm Serrano-Schinken und sagte dazu wie immer:"Bitte dünn geschnitten!"

Doch diesmal bekam ich von der jungen Dame hinter der Wurst-Theke in etwas pampigem Ton die

Antwort:"Der wird immer dünn geschnitten, sonst schmeckt er nicht!" Und diese besser aussehende

und weniger Fett-durchwirkte Sorte, auf die ich deutete, sei "in Eicheln eingelegt" und deshalb etwas

teurer. Während sie, um die 100 g auf die Waage zu bringen, erstaunlich viele Scheiben von dem

Schinken herunterschnitt, dachte ich, daß meine gewohnheitsmäßige, schon hundertmal geäußerte Bitte um

dünne Scheiben vielleicht sinnlos war, weil der Schinken deswegen kein bißchen anders, sondern genauso

dünn geschnitten wurde wie sowieso immer. Aber als sie fertig war, schnitt ich aber nicht nochmal dieses Reizthema

an sondern fragte nach der erstaunlichen, anderen Eigenschaft des Schinkens:"In was eingelegt, sagten Sie?"

Darauf sie, sich abwendend und etwas vernuschelt, wohl leicht verunsichert und nicht festgenagelt werden wollend:

"In Eicheln". Da schaltete sich ihre Kollegin ein und klärte die Sache auf:"Nein, die Schweine werden mit Eicheln gefüttert".

Ach so. Da kann ich nur noch uns beiden einen guten Apppetit wünschen, den Schweinen und mir.

 

 
Tagesgedanken
Dienstag, den 20. September 2011 um 19:57 Uhr

Immer öfter passiert es mir, daß ich auf meinem Fahrrad von anderen

Fahrradfahrern überholt werde, oft überraschend, ziemlich flott und ein bißchen gefährlich,

denn auf die Idee, sich durch ein Klingeln von hinten kommend anzukündigen, kommt kaum jemand.

Und dann überhole ich selbst im Auto Radfahrer, die aufreizend langsam fahren, weil sie, wie der Blick zurück

zeigt, schon so alt sind. Manchmal fahren sie so langsam, daß man beinah befürchtet, sie könnten auf ihren zwei

Rädern umfallen. Und dann denke ich: in den Augen der anderen bist du jetzt wohl auch so ein alter Sack, der nur

schleichend vorwärtskommt.

Alt werden heißt Abschied nehmen. Immer länger wird die Liste der Dinge, bei denen ich mir sagen muß: das geht nicht mehr,

das kannst du nicht mehr, das ist nicht mehr deinem Alter gemäß: nach 22 Uhr noch aus dem Haus gehen, Badminton spielen,

Scuba-diving, Pantomime lernen...

Tröstlich ist der Gedanke,  in diesem Abschiednehmen ein Moment von Veränderung und Begrüßung von etwas Neuem zu sehen.

Wegfallende Wichtigkeiten und Gewohnheiten schaffen Platz für Neues. Langsameres Fahrradfahren ist ein Stück Entschleunigung und

eine Chance für etwas, das die jungen, schnellen Leute, die einen überholen, kaum verstehen können: Beschaulichkeit.

 

 
Tagesgedanken
Sonntag, den 14. August 2011 um 11:25 Uhr

Lebensnähe

Endlich ist mir ein Wort, ein Oberbegriff für die Tätigkeit eingefallen,

die fast alle von uns heutzutage gut kennen: vor dem Computerbildschirm

sitzen.  Schon länger suchte ich nach einem allgemeinen und treffenden

Ausdruck hierfür. Er sollte das Dasein vorm Computerbildschirm deutlich von etwas

anderem unterscheiden, wofür unsere Sprache in den 1920er oder 30er Jahren

ein neues Wort (er)finden mußte und fand: fernsehen.

Am Computer kann man auch "fernsehen", aber im Kern kommuniziert man dort

mit Hilfe von Maus und Tastatur viel mehr und viel interaktiver, als man es am TV-Bildschirm

könnte. Man kommuniziert mit Menschen, Programmen, Spielen usw. Das herkömmliche Fernsehen

kann zwar zu einem grossen Lebensinhalt werden, aber kein Mensch würde auf die Idee kommen, es

mit dem richtigen Leben zu verwechseln. Das ist beim chatten, spielen, surfen am Computer anders.

Deshalb schlage ich dafür zur spezifischen Abgrenzung gegen das fernsehen das Wort fernleben vor.

U enkern ist

 
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