Tagesgedanken
Samstag, den 31. März 2012 um 12:00 Uhr

Eine Zigarettenmarke, die früher nach Freiheit und Abenteuer schmeckte,

überzieht die Gegend und wahrscheinlich das ganze Land mit einer

groß angelegten Plakat-Kampagne, deren zentraler Gedanke darin besteht,

bei dem Wort maybe das may durchzustreichen, so daß nur noch "be"

übrigbleibt. Das kommt daher wie ein ontologischer Imperativ, eine Art

Aufforderung zum wahren Sein. "Don't be a Maybe!" - "Maybe never wrote

a song" - "maybe never fell in love" lauten die verschiedenen Slogans, die

jeweils ein ganzes Plakat füllen. Ganz klein unten rechts weist dann jeweils

von dem Wörtchen be ein roter Pfeil auf eine Zigarettenschachtel.

Es soll offenbar an Werte wie entschlossenes Handeln und die Realisierung von

Träumen und Phantasien erinnert werden. Das kommt zwar auf die Phantasien und

Handlungen an, ist aber nicht ganz falsch.

Noch weniger falsch ist aber der wunderbare, in so vielen Sprachen vorhandene Begriff

Vielleicht - maybe - peutetre - issos (neugriechisch). Eine Sprache und eine Welt, die

dieses Wort nicht hätte, wäre grauenvoll. Es ist hochmenschlich, vielleicht zu sagen

und etwas für möglich zu halten und in Erwägung zu ziehen. Ich widerspreche

der Firma Marlboro und sage: I am a Maybe and you should be one too. Denn Maybes

haben sich sehr wohl wohl verliebt und Lieder geschrieben, nachdem sie es nämlich vorher

für möglich gehalten hatten. Und sie werden es - vielleicht - wieder tun.

Der Begriff Vielleicht, gegen den sich die plumpe Polemik dieser Werbekampagne

richtet, birgt mehr  Freiheit und Abenteuer in sich als mancher andere. Und ich

werde keine Marlboro rauchen. Auch nicht vielleicht

 

 
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