Tagesgedanken
Mittwoch, den 24. April 2013 um 19:36 Uhr

Er oder sie habe viel um die Ohren, sagt jemand, der sich gestreßt fühlt,

überfordert, überladen mit Ansprüchen, Terminen und to-do-Listen. Daß

jemand viel um die Augen habe, käme uns kaum in den Sinn und würde

auch keinen eingängigen Sinn ergeben. Das Hören ist viel näher an unserer

sozialen Natur als das Sehen. Wenn wir viel um die Ohren haben, hören wir

viele äußere und innere Stimmen, die etwas von uns wollen, und sei es nur

eine Antwort. Was wir sehen, kann dagegen leicht mit Distanz, Reserviertheit

und Gleichgültigkeit gesehen werden. Mit einer Stimme oder einer Musik, die

wir hören, ist dies ungleich schwieriger, sie kann viel direkter und unmittelbarer

unser Gefühl ansprechen.

Von unserer Zeit kann man scherlich sagen, daß die Menschen mehr um die Augen

haben als jemals zuvor. Wir werden in einem unglaublichen Maß von stehenden

und bewegten Bildern überflutet, von Bildern, die oft manipulierte und gezielt

abgefeuerte Botschaften sind. Geräusche und Töne können laut oder leise sein,

und wenn die Lautheit überhand nimmt, sprechen wir von Lärm und haben ein

zunehmendes Bewußtsein davon, daß dieser krank machen kann. Aber von einem

visuellen Lärm haben wir (noch) keinen Begriff, obwohl wir wahrhaftig viel um

die Augen haben.

 

 
Copyright © 2010-2019 Peter P. Peters - Alle Rechte vorbehalten.
Informatik Büro Werner - Webdesign nach Maß - info@ibwerner.net