Kostproben

 

Komm im Dom

Erinnerungen eines Sprach-Designers

 

Bevor ich „Deutsch für Aufhörer“-Lehrer wurde, war ich Sprach-Designer. Die Benennung eines Produkts ist ja oft fast wichtiger als seine Werbung oder die Verpackung. Nichts ist so sehr die Sache selbst wie ihr Name, nichts kann so untrennbar mit ihr verwachsen. Ein griffiges und zündendes Wort für eine Ware kann deren Marktchancen vervielfachen und Millionen wert sein. In unserer Agentur für Sprachdesign hatten wir einmal eine Katzenfutterfabrik als Kunden. Wir hatten denen einen genialen Namen geliefert: Schnurri, das fanden sie zwar wunderbar, aber war noch zu abstrakt, die brauchten ja ein ganzes Sortiment, Schnurri mit Huhn mit Fisch mit Rind usw.. Drin ist in den Packungen ja meistens dasselbe, aber es kommt eben darauf an, was draufsteht. Herrchen oder Frauchen möchte das Gefühl haben, das er seinem Kätzchen etwas besonders Leckeres mit nach Hause bringt, und nicht jeden Tag dasselbe. Also haben wir Schnurri mit Fisch-Töpfchen, mit Kalbs-Häppchen, mit Enten-Ragout vorgeschlagen. Das fanden sie zwar nicht schlecht, aber es war der Konkurrenz zu ähnlich, es war ihnen zu wenig unverwechselbar, sie wollten eine besondere Note. Ich habe nächtelang gebrütet und getüftelt, und mir vorgestellt, wie muß ein Katzenfutter benannt werden, damit Frauchen stellvertretend für ihren Liebling das Wasser im Munde zusammenläuft. Und dann kam ich mit ein paar genialen Vorschlägen raus: Schnurri mit ungeleerten Fischmägen in leckerem Vogelblut gedünstet. Hmm!

Schnurri mit Rattendarm und erlesenen Mäuselebern. Jamjam.

Schnurri mit einem bunten Allerlei aus Froschaugen, Stubenfliegen und Eidechsenköpfchen. Schmatz! Tja aber diese Feiglinge haben das nicht genommen. Sie waren sich nicht sicher, ob die zweifellos zu erwartenden Umsatzsteigerungen die Verluste wettmachen würden, welche dadurch entstanden wären, dass das Schnurri wesentlich weniger von Menschen gegessen werden würde als bisher.

Ich hatte ein bisschen Pech in dieser Branche. Am dümmsten ist es leider einmal gelaufen, als wir einen sehr dicken Fisch an der Angel hatten, einen Walfisch: die katholische Kirche. Das kam so: die hatten im Vatikan festgestellt, dass sie direkt oder indirekt an Unternehmen beteiligt waren, die in großen Mengen Präservative herstellten. Deshalb gab es in irgendwelchen Gremien die Anfrage, ob vielleicht an eine Änderung der Politik zu denken wäre, immerhin ginge es um eine ganze Menge Geld und auch wegen Aids wäre es vielleicht nicht schlecht. Und siehe da, die haben das zunächst mal tatsächlich durchgekriegt und der Papst hat sein Plazet dazu gegeben, den Gläubigen künftig zu sagen: OK, wenn’s denn sein muß, dürft ihr die Dinger benützen, aber ihr müsst bitteschön eines von unseren nehmen, andernfalls ist es doch auch weiterhin eine Sünde. Das war natürlich traumhaftes Marketing. Nun wurde für diese gesegneten Präservative ein besonders zugkräftiger Name für die weltweite Vermarktung gesucht, und ich habe ihn gefunden. Das war natürlich das KAKO, das katholische Kondom. Blieb die Frage, wie die Dinger aussehen sollten, da wurde natürlich auch ein besonderes Design gewünscht. Nun ist ja die Kirche gottseidank nicht arm an Phallus-Symbolen. Und nicht nur von der Sache her, sondern auch sprachlich bot es sich an, diesem katholischen Kondom die Form eines Doms zu geben. Das haben dann sogenannte Kondomiers, das sind Leute, die sich professionell mit der plastischen Gestaltung von Kondomen befassen, auch sehr schön umgesetzt. Und ich hatte einen phantastischen Slogan entwickelt: Komm im Dom mit einem Kako aus Rom! Es lief großartig und die Sache war schon so gut wie verwirklicht, aber dann gab es einen Risenzoff wegen der Frage, welche Dome nimmt man, den Petersdom, den Frankfurter Dom, den Mainzer Dom oder was. Man wollte das Kako mit einer Startauflage von einer Milliarde Stück in einem Sortiment von 12 Domen auf den Markt bringen. Aber sowohl die Kardinäle, die keine eigenen Dome hatten, als auch die, deren Dome wegen mangelnder Bedeutung kaum eine Chance hatten, waren unzufrieden und. Der Papst hat dann gesagt: Schluß mit dem Gezanke, wir nehmen die zwölf höchsten und längsten, Punkt. Einige Kardinäle waren aber nur dadurch zu beschwichtigen und auf Linie zu bringen, dass man ihnen unter der Hand zusicherte, sie dürften eine Art Testreihe durchführen, ein testificio akzeptationis mulieris. Ob den Frauen diese Art von Präservativen auch eine gewisse Erfüllung, ob dadurch vielleicht sogar welche durch Verkehr bekehrt werden können. Ob man vielleicht verschiedene Härtegrad des Gummis anbieten sollte. Man dachte auch an wiederverwendbare Spezial-Kakos für potenzschwache Männer. Als die anderen Kardinäle davon Wind bekamen, wollten sie unbedingt auch mitmachen, und es kam zu tumultartigen Szenen, weil nur eine begrenzte Zahl von Prototypen für die Tests zur Verfügung stand. Zum Schluß sprach der Papst wieder ein Machtwort und hat das ganze Projekt mit seiner Enzyklika „sperma in ecclesia omnium prohibitatur“ gecancelt.

 

 

 


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